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Drei Fragen an David Akinjise

IT an Schulen: "Nicht planlos Geräte beschaffen"

Zu Beginn des Schuljahres kündigten in Köln mehr als 1.000 Lehrkräfte an Grundschulen an, ihre iPads zurückzugeben, berichtete der Kölner Stadtanzeiger. Die Geräte seien zwar für den Unterricht geeignet, aber nicht für Verwaltungsarbeiten. In unserer neuen Reihe "Drei Fragen an..." erklärt David Akinjise, Gründer der Innovationsagentur "The New Now GmbH", welches Problem dahintersteckt und was Schulen sowie Schulträger bei der Digitalisierung besser machen können.


David Akinjise. Foto: Dan Taylor

David Akinjise, können Sie nachvollziehen, warum Lehrkräfte ihre iPads zurückgeben möchten? Und welche Alternativen haben sie?

 

Generell ist es immer schwierig, wenn einerseits die Nutzerinnen und Nutzer im Auswahlprozess der Hardware nicht eingebunden sind und andererseits die Schulträger versuchen, möglichst auf eine standardisierte Einrichtung zu achten und Einkaufsvorteile bei Hardware zu nutzen. iPads haben sicherlich Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass sie auf mobile Apps ausgelegt sind und es für den Unterricht eine große Zahl davon gibt. Allerdings ist die Auswahl auf den Apple-Store beschränkt. Windows-basierte PCs sind generell flexibler, was Software und Schnittstellen angeht. Wenn Sie mit Office-Anwendungen arbeiten, um zum Beispiel Präsentationen zu erstellen, längere Texte zu verfassen oder zu korrigieren und nicht zuletzt, um im Informatikunterricht programmieren zu können, sind Notebooks besser geeignet. Wir empfehlen den Schulen derzeit Microsoft-Surface-Geräte. Das aktuelle Surface Pro 8 und Surface Pro 9 eignen sich mit ihren großen 13-Zoll-Displays besonders für Lehrkräfte, die Surface-Go-Reihe – Surface Go 3 oder das Surface Laptop Go – für Schülerinnen und Schüler. Surface Go 3 und Surface Pro 8/9 sind Convertibles: Sie haben abnehmbare Tastaturen und bieten eine natürliche Stift-Bedienung an. Letzten Endes sind die Surface-Geräte also ähnlich handlich wie ein iPad, haben aber alle Vorteile von Notebooks und Windows. Zudem arbeiten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte mit dem gleichen Betriebssystem, was die Zusammenarbeit im Unterricht erleichtert.

 

In den letzten Jahren hat sich bei der Digitalisierung an Schulen einiges bewegt, aber gleichzeitig tun sich alle Beteiligten noch schwer. Was geht schief und was können Schulen unternehmen, um digitale Prozesse voranzutreiben?

 

Es hapert an vielen Stellen. Die Budgets im DigitalPakt Schule werden etwa häufig für einmalige Anschaffungen bewilligt, die laufende Kosten wie zum Beispiel Abonnement-Gebühren für digitale Lerninhalte nicht abdecken. Wenn eine Schule also ein ganzheitliches Konzept hat, das über die Anschaffung der Technik hinausgeht, kann sie das Budget mitunter nicht entsprechend aufteilen. Auch hier ist es ein Vorteil, mit Surface-Geräten zu arbeiten. Microsoft 365 bietet bereits viele Features, die den Schulalltag erleichtern. Mit dem Stift können Sie zum Beispiel Texte in Office handschriftlich korrigieren, und eine Künstliche Intelligenz (KI) setzt Ihre Aktionen um. Wenn Sie ein Wort umkreisen, wird es markiert und wenn Sie es durchstreichen, gelöscht. In Microsoft Teams gibt es die Funktion Lesefortschritt, mit der Schülerinnen und Schüler individuell ihre Lesekompetenz testen sowie Pädagoginnen und Pädagogen den Unterricht qualitativ und quantitativ auf einfache Weise deutlich verbessern können – auch das basiert auf einer Microsoft-KI. Grundsätzlich ist es aber wichtig, beim Auf- oder Ausbau der Infrastruktur zunächst den eigenen Bedarf zu verstehen. Wir hatten schon mehrfach Fälle, in denen etwas beschafft wurde und die Schulen erst in der Praxis merkten, dass es nicht das Richtige war. So wurde beispielsweise in einem Fall eine Office-Lizenz erworben, wie sie in Unternehmen genutzt wird, und nicht die für Schulen gedachte Office Education-Version. Bei ihrer Bedarfsanalyse müssen Schulen darüber hinaus berücksichtigen, wie sie sich positionieren. Haben Sie einen MINT-Schwerpunkt, sind immersive Inhalte wie Virtuelle Realität ein Thema, für das sie zusätzliche Geräte benötigen. Oder möchte ich einfach dem Kollegium bessere Werkzeuge zur Unterrichtsvorbereitung an die Hand geben und gegebenenfalls dadurch Überstunden einsparen? Ich rate grundsätzlich früh Expertinnen und Experten einzubinden.

 

Angenommen, das didaktische Konzept steht, die Hard- und Software ist finanziert – wie kümmern sich Schulen auf Dauer um die bestehende Infrastruktur?

 

Was das angeht, ist die Situation teilweise dramatisch, da, wie schon gesagt, laufende Kosten oft nicht durch die bereitgestellten Budgets abgedeckt sind. Wir haben gerade durch den aktuellen Bildungsmonitor gelernt, dass ca. 20.000 IT-Fachkräfte in den deutschen Bildungseinrichtungen fehlen. Ich würde daher auf jeden Fall die Cloud-Nutzung empfehlen. Eigene Server erfordern eine aufwendige Wartung und setzen hohe sicherheitstechnische Kompetenzen voraus. In der Microsoft Cloud sind Schulangebote gut aufgehoben. Die gesamte Microsoft-365-Umgebung lässt sich komplett DSGVO-konform einrichten. Aber es geht nicht nur um Server, sondern auch zum Beispiel um die Verwaltung der Geräte. Wer in der Lage ist, Teams oder OneNote in den Unterricht sinnvoll einzubringen, weiß nicht unbedingt, wie man 500 neue Geräte an einer Schule ausrollt und managet. Oft sind es einzelne Lehrkräfte, die Verantwortung übernehmen und sich in komplexe Anwendungen wie den MS Endpoint Manager einarbeiten. Aber sie erreichen nicht die Tiefe von IT-Profis. Daher hoffe ich, dass in einem neuen DigitalPakt die Kosten für langfristige Dienstleistungen ganz oben auf der Agenda stehen.


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Jörg Laufer
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